Leute sagen, was Kinder brauchen…

Aktuell verteilt sich die Nachricht, dass mein Kind nun nicht mehr in den Kindergarten geht und Freude und Familie kommen auf mich zu um mir zu erzählen worauf nun extra zu achten sei. Hier eine Liste:
Soziale Kontakte – Es ist also essentiell auch mal andere Leute zu sehen. Sowohl die Leitung des Kinderladens als auch alle Personen der letzten Generation fanden es unglaublich wichtig mich wissen zu lassen, dass mein Kind ja auch Freunde brauch und nicht sozial verarmen darf, jetzt wo ich ihn nicht mehr abgebe. Aha!!? Hier stellen sich mir einige Fragen… 

1) Ist das tatsächlich so? Brauch ein Dreijähriger 11 gleichaltrige “Freunde“ für die Entwicklung einer Persönlichkeit? Verschiedene Quellen sagen eher Nein. Es kommt sogar zu Problemen in der Entwicklung, wenn sich Kinder nur an Gleichaltrigen orientieren können. Soziales Verhalten lernt man von Älteren.

2) Warum erscheint es erwähnenswert? Ich selbst bin ein soziales Wesen. Ich brauche und will auch Kontakt zu Anderen. Warum muss also etwas Offensichtliches so expliziert werden? Weil es sooo wichtig ist? Weil es vielleicht doch nicht selbstverständlich ist? 

3) Warum soll grade mein Kind, weil es nicht redet, unbedingt in altershomogenen Gruppen Leben? Hier war der Einwand, dass sich Kinder behaupten und ihren Platz im sozialen Gefüge finden müssen irgendwie lieblos und schlichtweg falsch. Mein Gefühl fordert mehr Geduld und Ruhe statt erhöhtem sozialen Druck in großen Gruppen.

Konflikte – Kinder müssen lernen, alleine Konflikte zu lösen. Joa. Geht auch ohne Kindergarten. Geht auch ohne Gleichaltrige. Geht auch ohne “fremde“ Erzieher. Geht auch ohne, dass ich dazu weggehen muss. Mein Zynismus fragt, wie das denn damals war… Immerhin sind meine Eltern (und anscheinend trift das auf die meisten Leute zu) nicht sonderlich gut unterwegs in Konfliktsituationen.

Trennung – Kinder müssen sich Abzunabeln lernen. Mutti sei ja nicht immer da und spätestens wenn er in die Schule soll, muss das ja klappen. Die Vorbereitung auf ein getrenntes Leben muss ein Kind schon echt früh lernen – anscheinend. Dass das mit sechs Jahren irgendwie eine andere Sache ist und sich das Alter meines Kindes bis dahin verdoppelt, scheint irrelevant. Früh übt sich also, wer unabhängig und selbstständig wird. Seh ich nicht nur anders sondern genau gegenteilig – viele Eltern und Experten unterstützen diese Meinung. Mein Kind darf hier eine stabile Basis haben, von der aus er schon immer recht eigenständige wachsende Abstände ausprobiert. Unser Attachment machte ihn zum Ausprobierer und Wegrenner. Er hängt hier niemandem am Rockzipfel – im Gegenteil. 

Abwechslung – Im Kindergarten sei es ja so toll, dass die Kinder malen, baden, klettern, spielen, singen. “Wie willst du denn Dein Kind entsprechend unterhalten?“ Auch hier wieder… Muss das sein? Und warum soll das alles nicht auch außerhalb der Fremdbetreuung gehen? Vorher sagte doch auch niemand: “Achte im Kindergarten drauf, dass die jeden Tag singen!“. Als normales, aktives Mitglied dieser Gesellschaft erscheint es mir fast unmöglich ein Kind zu langweilen – Überfordern hingegen… . Mein Kind sucht sich Beschäftigung. Er hat Arbeit ohne Ende. Der brauch keine extra Spielszenarien wenn er im Wald rumtigert oder mit mir abwäscht. Wenn er singen will, singt er. Wenn er baden will, badet er.

Was also zu beweisen war… Revolution! Liebevoll!

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